WIRTSCHAFT Wir gratulieren Seit 75 Jahren steht die SWB für bezahlbaren Wohnraum in Mülheim an der Ruhr. Gegründet in den Nachkriegsjahren, hat sich dieser Auftrag nie geändert, auch nicht nach der Abschaffung der Gemeinnützigkeit 1990. 2011 sanierte die SWB zudem unser Rathaus und sorgte damit für den Erhalt des Mülheimer Wahrzeichens. Heute ist die SWB moderne Dienstleisterin rund ums Wohnen. Sie treibt Klimaziele voran, baut neu und stärkt Quartiere. Mit 8.200 Wohnungen für rund 20.000 Menschen ist sie unverzichtbar für unsere Stadt. Ich gratuliere zum 75. Geburtstag und danke den170 Mitarbeitenden der SWB für ihren Einsatz für Mietende und Gebäude. Marc Buchholz, Oberbürgermeister von Mülheim an der Ruhr 75 Jahre SWB sind auch 75 Jahre Wandel beim Wohnen. Wer heute durch Bestände der SWB geht oder neue Projekte anschaut, sieht schnell: Wohnungen sehen heute anders aus als in den Anfangsjahren – und sie müssen auch ganz andere Anforderungen erfüllen. In den 1950er- und 1960er-Jahren stand bei der SWB vor allem eines im Mittelpunkt: schnell möglichst viel Wohnraum schaffen. Gebaut wurden damals überwiegend einfache Wohnungen, oft nur mit 40 Quadratmetern Größe. Die Grundrisse waren kompakt, die Ausstattung funktional, der Platz knapp bemessen. Auf Flächen, auf denen heute zwei Personen leben, wohnten damals im Schnitt vier Personen. Für dieselbe Anzahl an Mietern stellt die SWB heute deutlich mehr Wohnfläche zur Verfügung als früher – weil sich die Ansprüche, aber auch die gesetzlichen Vorgaben an Wohnungsbau grundlegend verändert haben. Dieser Wandel zeigt sich besonders bei den Wohnungsgrößen und Zuschnitten. Kleine Wohnungen bleiben im Bestand der SWB weiter wichtig, etwa für junge Menschen, Alleinstehende oder ältere Mieter. Gleichzeitig wächst der Bedarf an größeren Wohnungen für Familien. Deshalb werden Grundrisse heute anders gedacht als früher: offener, flexibler und stärker am Alltag der Menschen orientiert. Auch die Standards haben sich aufgrund fortlaufender Baugesetzgebungen deutlich verändert: Bäder brauchen heute mehr Bewegungsfreiheit, Küchen werden größer geplant oder zum Wohnbereich hin geöffnet, und in größeren Wohnungen gehört ein zusätzliches WC oft dazu. Vor allem Barrierefreiheit und der damit verbundene Platzbedarf spielt heute eine viel größere Rolle als noch vor einigen Jahrzehnten. „Das ist praktisch ein Luxus, den wir uns leisten zugunsten der Nutzbarkeit von Wohnraum für alle“, erklärt SWB-Geschäftsführer Oliver Ahrweiler. Was heute ebenfalls Standard ist, war früher oft kein Thema: ein Balkon. In Neubauten und bei Sanierungen der SWB entstehen, wo es technisch möglich ist, Wohnungen mit Balkon oder Loggia. Und auch hier haben sich die Maßstäbe verändert. Balkone sollen nicht nur gut aussehen, sondern im Alltag wirklich nutzbar sein. Oliver Ahrweiler bringt es so auf den Punkt: „Im besten Fall müssten so viele Personen wie Betten in der Wohnung plus zwei Personen auf dem Balkon Platz haben.“ Verändert haben sich bei der SWB aber nicht nur die Wohnungen selbst, sondern auch Bauweise, Technik und Materialien. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde zwar bereits modernisiert, damals jedoch noch mit deutlich geringeren Dämmstärken. Heute wird umfassender saniert und gebaut – mit höheren energetischen Anforderungen und stärkerem Blick auf den Klimaschutz. Während früher vor allem Energieeinsparung zählte, geht es inzwischen verstärkt um CO₂- Reduktion. Seit 2024 testet die SWB deshalb auch den Einsatz von Holzbau, weil Holz im Vergleich zu Beton oder Stahl ökologische Vorteile bieten kann. Bei der Förderung von Wohnungen hat sich ebenfalls - auch bei der SWB - in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Als der Neubau wieder aufgenommen wurde, setzte die SWB zunächst auf einen ausgewogenen Mix: rund 50 Prozent öffentlich gefördert und 50 Prozent frei finanziert. So sollten sowohl kleinere Haushalte als auch Familien mit Kindern passende und bezahlbare Wohnungen finden. Denn gerade Familien fallen häufig durchs Raster: Für öffentlich geförderte Wohnungen mit Wohnberechtigungsschein A verdienen sie zu viel, für frei finanzierte neu gebaute SWB-Wohnungen mit Durchschnittsmieten von 11,81 Euro pro Quadratmeter oft zu wenig. Sie können bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze Wohnberechtigungsschein B beantragen, auch dafür bietet die SWB Wohnungen an. Im Gesamtbestand hat sich der Anteil geförderter Wohnungen ebenfalls deutlich verschoben. Bis zum Jahr 2015 sank der Anteil durch auslaufende Bindungen auf etwa 30 Prozent. Seitdem steuert die SWB bewusst gegen. Heute liegt der Anteil wieder bei rund 38 Prozent. Bei Einzelprojekten noch höher. Denn, so betont SWB-Geschäftsführer Sven Glocker: „Ohne öffentliche Förderung können wir nicht mehr neu bauen.“ Zu hoch seien Baukosten und Zinsen seit 2020 gestiegen. Ein Beispiel ist das Projekt an der Filchnerstraße: Dort sind 87 von 126 Wohnungen mit WBS zu vermieten, also rund 69 Prozent. Die übrigen Wohnungen sind mittelbar gefördert: sie werden normal vermietet, im Gegenzug werden dafür im Bestand bisher frei finanzierte Wohnungen mit WBS vergeben. Geändert hat sich auch die Kommunikation mit den Mietern: Viele Prozesse wurden digitalisiert und damit auch der Service verbessert. Ihre Anliegen können Mieter heute rund um die Uhr über die Mieterapp mitteilen, Chatbot Swibi steuert Anfragen zielgerecht ins System. Was ist noch anders als vor 75 Jahren? Sven Glocker weiß: „Heute muss ein Wohnungsunternehmen vielen Aufgaben gerecht werden: Wir stellen Quartiersmanager, müssen Infrastruktur für Mobilität mitdenken, Sicherheit, Brandschutz, aber auch ästhetisches Bauen und Klimaschutz unter einen Hut bringen - und das zu bezahlbaren Mieten. Und nicht zu vergessen: Auch als Arbeitgeber müssen wir ein attraktives Arbeitsumfeld schaffen.“ Trotz aller Veränderungen gilt bei der SWB ein Grundsatz bis heute: sanieren vor Neubau – wenn es sinnvoll und machbar ist. Auch die Kernaufgabe ist und bleibt: Wohnungen schaffen und erhalten, die bezahlbar, zeitgemäß, nachhaltig und für möglichst viele Menschen gut nutzbar sein sollen. Mit 234 Wohnungen ist die SWB im Gründungsjahr gestartet. Schnell wurden Neubaumaßnahmen begonnen. Innerhalb kurzer Zeit entstanden unter großem Engagement viele neue Wohnungen. Zu den ersten neugebauten Häusern gehören die Bestände an der Heißener Straße, Saargemünder Straße, Kappenstraße, Aktienstraße und an der Von-Graefe-Straße. 1952 wurden die Mehrfamilienhäuser an der Ecke Von-Graefe-Straße/ Hingbergstraße gebaut. Vorwiegend Eineinhalb- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen in einfacher Ausstattung entstanden hier dank der neuen Förderungen für den Sozialen Wohnungsbau. 72 Wohnungen entstanden in den mehrstöckigen Reihenhäusern mit einer Größe zwischen 46 und 52 Quadratmetern - entsprechend den Fördervorgaben, denn die Wohnungen wurden mit WBS vermietet. Die Wohnungen hatten schon eigene Bäder und eine Gaszentralheizung, das Wasser für die Badewanne wurde durch hydraulische Durchlauferhitzer erwärmt. Anfangs besaßen die Wohnungen noch keine Balkone, diese wurden in späteren Jahren angebaut. Zwischen 2023 und 2025 startete die SWB in dem Bestand eine energetische Sanierung. Das Dach und die Fenster wurden erneuert, sowie die Gasheizung ausgetauscht: Nun wird über Fernwärme geheizt, mittlerweile sorgen elektronische Durchlauferhitzer für heißes Wasser. Auch die Balkone wurden überarbeitet. Zuletzt wurde die Fassade mit Mineralwolle gedämmt und erhielt einen neuen Anstrich. Die Zuschnitte der Wohnungen blieben unverändert, da sie auch heute noch nachgefragt sind. Vorwiegend Paare und Einzelpersonen wohnen heute in den Häusern. Auch weiterhin fallen die Wohnungen unter öffentliche Förderung, werden also an Bürger vermietet, die aufgrund ihres Einkommens einen Wohnberechtigungsschein bekommen können. Die Häuser in der Von-Graefe-Straße 2-8. Von 2025 bis 2026 wurden die Häuser saniert. Wohnen im Wandel der Zeit SWB: Von der Immobilienverwaltung zum kundenorientierten Dienstleister Dürfen wir vorstellen: Unsere „Ältesten“ Einige der ersten Neubauten stehen an der Von-Graefe-Straße - inzwischen frisch saniert Seit 25 Jahren begleite ich als Mitglied des Aufsichtsrates, seit 2004 als Vorsitzender, die Entwicklung der SWB. Mir war immer wichtig, dass wir uns auf unser Kerngeschäft in unserer Stadt konzentrieren. Mittlerweile haben wir auswärtigen Bestand abgestoßen, seit 2001 rund 1.800 Wohnungen saniert und nach langer Pause ab 2015 wieder neu gebaut. Bis heute sind 316 Wohnungen fertiggestellt worden. Mit der Eichbaumsiedlung läuft derzeit eines der größten SWB-Projekte: der Umbau eines Quartiers mit 550 Wohnungen durch Sanierung und Neubau, mit Investitionen von rund 137 Millionen Euro. Auch künftig wird die SWB mit Modernisierungen und Neubau städtebauliche Akzente setzen. Ich bin stolz, dieses 75-jährige Jubiläum gemeinsam mit allen Mitarbeitenden feiern zu können. Heiko Hendriks, Aufsichtsratsvorsitzender der SWB 75 Jahre, das ist mehr als eine Zahl. Es ist eine Geschichte, die aus Menschen besteht. Aus Familien, die ihre Kinder großgezogen haben, aus älteren Menschen, die ihren Lebensabend in ihrer eigenen Wohnung verbringen konnten, aus jungen Menschen, die hier ihren ersten eigenen Haushalt gegründet haben, aus frisch Verheirateten und glücklichen Singles. Ich gratuliere herzlich zum Jubiläum - der SWB Mülheim und den Mieterinnen und Mietern, die dieses Unternehmen erst zu dem machen, was es ist: ein Zuhause für viele. Alexander Rychter, Verbands- direktor des VDW Rheinland/Westfalen Die KI versetzte die aktuellen SWB-Geschäftsführer Oliver Ahrweiler (links) und Sven Glocker in den Look der Gründungszeit.
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