SWB Mietermagazin 1|26

Nach dem Krieg gestaltete sich die Wohnungssituation auch in Mülheim äußerst schwierig. Das lag weniger an den Mietpreisen als vielmehr am Mangel an Wohnungen in den zerstörten Ruhrgebietsstädten. 29 Prozent der insgesamt 43.000 Wohnungen in Mülheim galten nach Kriegsende 1945 als zerstört, 31.000 als kriegsbeschädigt. Nur 4.500 überstanden den Krieg unversehrt. Mülheimer Bürger lebten auch fünf Jahre nach Kriegsende nicht selten in den Kellern ihrer Häuser, weil ihre Wohnungen noch unbewohnbar waren, in Notunterkünften oder in überfüllten Wohnungen. Nicht wenige Paare mussten in Zimmern bei Eltern oder Verwandten wohnen, bevor sie eine der begehrten instandgesetzten oder neu gebauten Wohnungen beziehen konnten. Erst rund ein Viertel aller Wohnungen verfügte in dieser Zeit über eine innenliegende Toilette. Ein WC auf halber Treppe im Hausflur war nichts Ungewöhnliches. Immerhin: Die Mieten waren erschwinglich, weil sie wegen der Wohnungsnot staatlich stark reguliert wurden. So mussten Mieter rund neun Prozent ihres durchschnittlichen Familieneinkommens für Wohnungskosten aufwenden. Doch was halfen niedrige Mieten, wenn es kaum Wohnraum gab? Denn neben den Mülheimern suchten auch Heimatvertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten und Flüchtlinge Wohnungen. In den ersten fünf Jahren stieg die durch den Krieg auf 88.000 Bürger dezimierte Einwohnerzahl bis 1950 auf über 150.000 Bürger an. Hohe Baukosten stellten eine massive Hürde für einen schnellen Baufortschritt dar. Gleichzeitig sollten die Mietpreise für breite Schichten der Bevölkerung erschwinglich bleiben. Schon unter normalen Bedingungen ein fast unmögliches Unterfangen, in so kurzer Zeit ausreichend Wohnraum zu schaffen. 1948 startete der planmäßige Aufbau von Wohnungen auch in Mülheim, unter anderem durch die MWB, die im Krieg aus der Fusion zweier Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaften hervorgegangen war. Seit Kriegsende hatte man schon viel geschafft. Dennoch: 1950 wiesen immer noch 8.400 Gebäude Kriegsschäden auf. 13.200 Gebäude mit 34.000 nutzbaren Wohnungen gab es, statistisch gesehen lebten 4,5 Personen in einer Wohnung – unabhängig davon, wie groß sie war. Heute leben im Schnitt zwei Personen auf einer deutlich größeren Wohnfläche. 1950 schließlich zündete die Bundesregierung den Baubooster: Das Gesetz zum Sozialen Wohnungsbau wurde verabschiedet. Um bezahlbaren Wohnraum zu gewährleisten, wurden zum einen die Regelgrößen der Wohnfläche für den öffentlich geförderten Wohnungsbau auf 32 bis 65 Quadratmeter und zum anderen eine Höchstmiete von 1 Mark, in Ausnahmefällen von 1,10 Mark je Quadratmeter Wohnfläche, festgelegt. 3,7 Millionen Sozialwohnungen förderte der Bund allein in den 50er Jahren, gebaut für einkommensschwache Gruppen, Heimatvertriebene und Kriegsbetroffene. Auch in Mülheim wurde ein Unternehmen benötigt, das die öffentliche Verwaltung bei der Schaffung von Wohnraum vor allem für einkommensschwache Bürger unterstützen sollte. Das war für Mülheim der Startschuss für den Sozialen Wohnungsbau: Am 12. Juni 1951 wurde die gemeinnützige Gesellschaft „Sozialer Wohnungsbau GmbH“ gegründet. Mülheim an der Ruhr, 12. Juni 1951 - 2026 Aufbruch in die neue Gesellschaft Mülheim in den Nachkriegsjahren, kurz vor der Gründung der SWB. Noch ist die Stadt vom Krieg gezeichnet, bestimmen Ruinen ganze Straßenzeilen, viele Wohnungen sind nicht bewohnbar. Die Menschen und die nach der Kriegsgefangenschaft wiedervereinigten Familien versuchen, in einen normalen Alltag zurückzufinden. Anfang der 50er Jahre herrscht das traditionelle Familienbild vor: Der Ehemann verdient das Geld, und die Hausfrau kümmert sich um Haushalt und Kinder. Hausarbeit war wesentlich zeitaufwendiger, da elektrische Konsumgüter wie Waschmaschine, Bügeleisen oder Mixer erst ab Mitte der 50er Jahre für Normalverdiener erschwinglich waren. Aber in diesen Jahren geht es langsam bergauf. Sie bilden den Grundstein für die deutsche Wohlstandsgesellschaft. Das spiegelt sich auch in den Wohnungen wider. Man wird stilbewusst: Nierentisch, Cocktailsessel und Sputnik-Leuchten stehen für diese Zeit. Zwischen Trümmern und Hoffnung 1951: Die neue Wohnungsbaugesellschaft SWB soll dazu beitragen, den Sozialen Wohnungsbau voranzutreiben Wohnbau im Wandel Wohnen im Wandel: Die Geschäftsführer der SWB, Oliver Ahrweiler und Sven Glocker, über die Herausforderungen des Wohnungsbaus. Seite 2 Eine Zeitzeugin erinnert sich Brigitte Zacharias arbeitete ab 1953 bis zu ihrer Rente bei der SWB. Sie erlebte die Entwicklung des wachsenden Wohnungsunternehmens hautnah mit. Seite 3 In den ersten Jahren nach dem Krieg herrschte große Wohnungsnot, der Großteil der Wohnungen in Mülheim war zerstört oder beschädigt. Als tägliches Kehren Pflicht war „Der Mieter im Erdgeschoss hat den Hausflur jeden Morgen vor 9 Uhr zu kehren“. Können Sie sich das vorstellen? Diese Regeln galten noch vor 75 Jahren. Seite 4 Eine Zeitreise von 1951 bs 2026 Wir nehmen Sie mit auf eine Zeitreise durch 75 Jahre SWB. Und das nicht nur in gedruckter Form, sondern auch in bewegten Bildern. Schauen Sie mal rein. Seite 5 und 6 Eine typische Wohnidylle aus den 50er Jahren: Nierentisch, Cocktailsessel und Sputniklampe waren in den deutschen Wohnzimmern angesagt. Foto: KI In die erste eigene Geschäftsstelle der SWB zogen die damals sieben Mitarbeiter 1953.

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