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Nachbarschaft

ihm gegenüber zu kämpfen, da sie in

stetiger Angst leben, abgeschoben zu

werden. Doch aufgrund seiner ruhigen,

zuvorkommenden und verbindlichen

Art, konnte er schnell ihr Vertrauen ge-

winnen. Dabei ist es für ihn von großem

Vorteil, dass er nicht nur türkisch und

englisch fließend spricht, sondern auch

französisch und arabisch versteht und

etwas sprechen kann.

Wir besuchen gemeinsam eine der

Flüchtlings-Familien. In der Wohnung

der Familie Ahmadov an der Elisabeth-

Selbert-Straße kommen uns zwei

fröhliche Kinder entgegen, ein Säugling

strampelt auf dem Arm seiner Mutter.

Auf den ersten Blick denkt man, eine

ganz normale Familie anzutreffen.

Doch hinter Mahir und Senubar Ahma-

dov und ihren drei Kindern Maria (6

Jahre), Leman (4 Jahre) und Mehdi

(14 Monate) liegen unruhige Monate,

voller Angst und Verzweiflung. Im Juni

mussten sie ihre Heimat Aserbaidschan

überstürzt verlassen, weil Vater Mahir

politisch verfolgt wurde, ihm Gefan-

genschaft drohte. Man sieht seiner Frau

noch die Angst an, als sie davon berich-

tet, dass immer, wenn ihr Mann außer

Haus war, bewaffnete Polizisten ihre

Wohnung stürmten und verwüsteten.

Um ihren Kindern diese weiteren Angst-

zustände zu ersparen, ließen sie ihr

geregeltes Leben hinter sich, nahmen

ihr Erspartes und flüchteten in einer

mehrtägigen Fahrt – nur mit einem

Koffer voller Kinderkleidung - mit dem

Fernbus über Moskau nach Nürnberg

und später Frankfurt. Von dort kam

die Familie erst nach Bielefeld, dann

in ein Notaufnahmelager im westfä-

lischen Schöppingen, von wo aus sie

dann Mülheim an der Ruhr zugeteilt

wurden und im Hildegardishaus unter-

kamen. Nach dieser Odyssee bedeutet

die eigene Wohnung für die Familie

nun Ruhe, Sicherheit und das Gefühl

von Geborgenheit, das sie lange ent-

behren musste.

Im Rahmen seiner Tätigkeit steht Ümit

Güzel natürlich auch im engen Kontakt

mit dem Sozialamt und dem Sozial-

dienst der Stadt, tauscht sich regelmä-

ßig mit den dortigen Mitarbeitern aus.

Thomas Konietzka, stellvertretender

Amtsleiter des Sozialamtes, zeigt sich

optimistisch: „Durch den engen Kon-

takt und die gute Zusammenarbeit

mit der SWB und Herrn Güzel ist es

uns möglich, für einen reibungslosen

Ablauf bei der Unterbringung der

Flüchtlinge zu sorgen. Wir können in

Mülheim sehr zufrieden sein, wie wir

die Herausforderungen lösen und so

sicherlich für eine nachhaltige Inte-

gration der neuen Bewohner sorgen.“

Dankbar für jede Form der Unterstüt-

zung, betont die Familie, wie wichtig

es sei, einen Ansprechpartner zu ha-

ben, dem sie vertrauen können. Sowohl

die Mitarbeiter der Stadt, als auch

Ümit Güzel würden helfen, wo es nur

geht. Als Beispiel nennt Mutter Senubar

einen Gang zum MVG-Schalter, der

für sie alleine ein unüberwindbar-

es Hindernis bedeutet hätte. Dank

der Unterstützung und des Dolmet-

schens von Ümit Güzel sei sie aber

schnell klar gekommen. Auch das

Ausfüllen z.B. eines Antrages für

einen Deutschkurs wäre ohne solche

Hilfe unmöglich.

In ihre neue Nachbarschaft hat sich die

Familie gut integriert; die Nachbarn

seien freundlich und äußerst hilfsbe-

reit. Für Tochter Maria konnte bereits

eine Art Alltag einkehren: sie besucht

die Grundschule und versteht schon die

deutsche Sprache.

Die große Hoffnung der Familie ist es

nun, nicht mehr in Angst leben zu müs-

sen und ihren Kindern eine unbeschwer-

te Kindheit ermöglichen zu können. Das

Lächeln der Kinder macht Hoffnung,

dass sie diese schrecklichen Erlebnisse

schnell verarbeiten können.

Zur Unterbringung von Asylbewerbern stellt

SWB im gesamten Mülheimer Stadtgebiet zur-

zeit 105 Wohnungen zur Verfügung, die an die

Stadt vermietet sind. 42 dieser Wohnungen

entfallen auf ein SWB-Quartier an der Gus-

tavstraße. Hier wohnen etwa 140 Flüchtlinge.

Ende 2014 waren etwa 650 Zuflucht suchen-

de Menschen in Wohnungen in Mülheim an

der Ruhr untergebracht. 2015 ist mit einer

Zunahme von Asylbewerbern und Flüchtlin-

gen zu rechnen. Folglich wird die Anzahl der

Flüchtlinge in der Stadt Mülheim an der Ruhr

bis Ende 2015 auf rd. 1.000 ansteigen. SWB

wird diesen Personen mit zwei Mitarbeitern

tatkräftig zur Seite stehen, um Probleme und

Vorurteile frühzeitig lösen zu können.

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Daten, Fakten