Mein Zuhause 07/2018

Titelstory 5 Herr Glocker, der SWB-Bestand wird fort- laufend modernisiert. Bleiben die Woh- nungen trotzdem bezahlbar? Glocker: Eine zukunftsfähige und nach- haltige Unternehmenspolitik muss ne- ben ökonomischen und ökologischen auch soziale Faktoren berücksichtigen. In modernisierten Objekten bestimmt der Wohnungsmarkt die erzielbare Mie- te. Hier richten wir stets unser Augen- merk auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lage, Wohnqualität und Miet- preis. Das Durchführen von Luxusmo- dernisierungen, die lediglich einen sozi- alen Verdrängungsprozess verursachen, entspricht nicht unserer Unternehmens- philosophie. Das bezahlbare Wohnen hat für die SWB einen ganz wesentli- chen Stellenwert in der Entwicklung von Modernisierungsstrategien. In welchen Feldern steht die SWB als Woh- nungsunternehmen und Partner der Stadt in sozialer Verantwortung, und was ist mit ganzheitlicher Quartiersentwicklung ge- meint? Timmerkamp: Als kommunales Unter- nehmen der Stadt Mülheim an der Ruhr fühlen wir uns der Stadt und den Menschen, die hier leben, besonders verpflichtet. Von jeher waren wir für die Wohnraumversorgung aller Be- völkerungsschichten verantwortlich, und dazu stehen wir noch heute. Doch die Zeiten entwickeln sich weiter, und es reicht nicht mehr, ausschließlich in Häuser zu investieren. Eine gute Infra- struktur, ein ausgewogenes soziales Umfeld, Kooperationen mit den unter- schiedlichsten, vielfach ehrenamtlichen Anbietern schaffen attraktive Nachbar- schaften und eine lebenswerte Heimat. Diese Aufgaben gehen wir seit Jahren in partnerschaftlicher Gemeinschaft mit der Stadt an und haben sie in der Ver- gangenheit erfolgreich bewältigt. Daran wird sich auch künftig nichts ändern. In vielen Unternehmen werden Service- und Sprechzeiten zurückgefahren – die SWB geht den umgekehrtenWeg. Warum? Glocker: Die Kundennähe hat für uns höchste Priorität. Wir arbeiten stetig an der Optimierung und Ausweitung unseres Serviceangebotes. Dies äußert sich nach unserem Verständnis auch in persönlicher Erreichbarkeit und de- finierten Ansprechpartnern. Wir halten es für nicht zeitgemäß, dass sich unsere Kunden aufgrund der Geschäftszeiten für eine Wohnungsbesichtigung oder ihre Anliegen Urlaub nehmen müssen. Offenheit für kurzfristige Terminabspra- chen ist für die von uns gewünschte Kundennähe sehr wichtig. Timmerkamp: Dies erfordert ein hohes Maß an Flexibilität von unseren Mitar- beitern. Das betrifft die unterschiedli- chen Arbeitsbereiche wie die Arbeits- zeiten gleichermaßen. Aktuell richtet dieSWBeinOnline-Kunden- portal ein (s. S. 23). Wird es in zehn Jahren überhaupt noch persönliche Kontakte zu den Mietern geben? Glocker: Das Online-Kundenportal bie- tet unseren Kunden ein Mehr an Ser- vice, vor allem bezüglich gegenseitiger Erreichbarkeit, Zeitersparnis und Fle- xibilität. Ein Kundenportal spricht aber sicher nicht alle Bewohner der SWB an. Viele nutzen lieber den direkten Draht zum Kundenbetreuer. Es wird daher un- serer Auffassung nach nie den persönli- chen Kontakt zwischen unseren Kunden und der SWB ersetzen. Für unsere Mit- arbeiter wird es Entlastung bringen und Zeit für andere Aufgaben schaffen, die letztlich unseren Service weiter verbes- sern werden. Ahrweiler: Genauso ist es. Wir stehen heute ganz am Anfang mit unserem Kundenportal, aber wir werden es lau- fend weiterentwickeln, um das Wohnen mit der SWB noch attraktiver zu gestal- ten. Allein im Bereich der Reparaturab- wicklung werden wir in den nächsten Jahren unseren ohnehin schon guten Service weiter optimieren. Terminver- einbarungen werden irgendwann über das Portal direkt zwischen der Hand- werksfirma und dem Mieter getroffen – eine große Erleichterung für beide Seiten und auch für unsere Mitarbeiter, die heute noch mehrfach hin- und her- telefonieren müssen, um die Arbeit zu koordinieren. Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für das tägliche Geschäft? Timmerkamp: Unsere gesamten Ge- schäftsprozesse werden sich verändern bzw. weiterentwickeln müssen. Das ist nicht neu – sonst würden wir heute noch in Höhlen leben. Neu ist aber die un- glaubliche Geschwindigkeit, mit der die Prozessveränderung vonstattengeht. Davor haben viele Menschen Angst, und die gilt es ihnen zu nehmen. Wir müssen sowohl unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiter neugierig machen auf die künftige Entwicklung, ihnen die Mög- lichkeiten und Vorteile aufzeigen. Hierzu brauchen wir aber eine klare Struktur, nach der wir uns ausrichten werden. Wie meinen Sie das? Glocker: Wir haben mittlerweile erste Gespräche mit Experten rund um das Thema Digitalisierung geführt, wobei die Gesprächspartner gar nicht aus der Wohnungswirtschaft kommen. Hierbei hat sich schnell herausgestellt, dass die SWB auf dem Gebiet schon weiter fort- geschritten ist, als wir es selber wahrge-

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