Mein Zuhause 07/2018

Wahrzeichen sind in jeder Stadt gewisser- maßen das Salz in der Suppe. In Mülheim gilt das ganz besonders für das Speldorfer Solbad Raffelberg. Es ist zwar seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb, beheimatet dafür aber das international renommierte Theater an der Ruhr und zählt außerdem zu unseren wichtigsten Baudenkmälern. Seine bewegte Geschichte möchten wir Ihnen in dieser Ausgabe erzählen. Am Anfang war ein Meer Alles begann, als Bergleute der Zeche Alstaden 1855 unter der Erde Überbleib- sel eines Urzeitmeers entdeckten: eine salzhaltige Quelle, die 26° warmes Was- ser führte. In vor Ort eigens aufgebauten Badewannen tauchten zunächst nur die Kumpel und ihre Kinder in die jodhaltige Sole ein. Dabei stellten sie fest, dass sich auf diese Weise sowohl Gicht- als auch Rheumabeschwerden lindern ließen. Dennoch entstanden erst mit dem Fund einer zweiten, weitaus größeren Salzwas- serquelle im Jahr 1884 erste Pläne für ein öffentliches Solbad, die 1888 zunächst in eine (kleine) Kinderheilanstalt mündeten. Umleitung zum Raffelberg Den Anstoß für den Bau der eigentlich vorgesehenen großen Kureinrichtung gab 1907 die anstehende Eingemeindung von Alstaden in Oberhausen. Die Stadt Mül- heim beschloss, das Bad in Speldorf zu errichten, und erwarb dafür im April 1908 das 75.000 m 2 große Gut Raffelberg. Hier entstanden ein Badehaus, ein Kindersol- bad und das Kurhaus sowie ein großer Kurpark; parallel dazu verlegte man eine 24 Hätten Sie’s gewusst? • UmdenKurpark-Entwurfdes Garten- architektenWalter von Engelhardt zu realisieren, mussten rund 37.000 m 2 Wald gerodet werden. • Die medizinische Ausstattung des ursprünglichen Badehauses umfasst 40Wannenbäder, einen Gurgelraum, zwei Inhalations- und drei Ruheräume. • Anders als die meisten Kureinrich- tungen der damaligen Zeit war der Wandelgang zwischen Kurhaus und Badehalle vonAnfanganbeheizt und somit auch imWinter nutzbar. 2,5 km lange Leitung, um die Sole von der Zeche nach Speldorf zu befördern. Inklu- sive Inventar beliefen sich die Baukosten auf ca. 1 Mio. Mark. Bewältigt wurde das ehrgeizige Unter- nehmen in kürzester Zeit: Bereits am 15. Mai 1909 konnte der Badebetrieb starten. „Dem Kranken zur Heilung, ... ... dem Gesunden zum Vergnügen“: Unter diesem Motto fand die Anlage zunächst breiten Zuspruch in der Bevölkerung. 75.000 Badanwendungen wurden allein für 1927 verzeichnet. Doch der Erfolg war leider nicht von Dauer; schon ab Ende der 1920er Jahre hatten die Betreiber dauer- haft mit wirtschaftlichen Schwierigkei- ten zu kämpfen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Bombenschäden an Kindersolbad und Badehaus beho- ben, doch die Besucherzahlen waren und blieben niedrig. Daran änderte auch die Ausweitung des Kurangebots 1958 nichts. Als 1973 die Förderung der Natursole auf Alstaden eingestellt wurde, markierte dies den Anfang vom Ende. Theater statt Thermalbad Übergangsweise versuchte man noch, auf künstliche Sole und andere Quellen umzusteigen. Dann wurde über ganz neue Lösungen und kurzzeitig sogar über die Errichtung eines modernen Thermal- bades nachgedacht. Währenddessen fand das Kurhaus eine neue Bestimmung: 1981 zog das Theater an der Ruhr ein und nutzte zunächst den Kursaal für seine Aufführungen – mit derart großem Erfolg, dass das Kurhaus ab 1994 bis 1997 zur festen Spielstätte umgebaut wurde. Den Badebetrieb dagegen mussten die Ver- antwortlichen 1992 endgültig einstellen. Bis heute sehenswert Dieses Zeugnis kann man dem gesam- ten Gebäudekomplex ausstellen, weil er glücklicherweise seit 1987 unter Denkmal- schutz steht – als herausragendes Bei- spiel für Kur- und Badebauten des frühen 20. Jahrhunderts. Dieser Schutz wurde später auf den Park ausgedehnt, sodass er als Naherholungsfläche erhalten blieb, die in den Sommermonaten u.a. auch für Theateraufführungen genutzt wird. Ein kleiner Ausflug zu den Ursprüngen des Solbad Raffelberg O Sole mio Plus Solkultur Kulturelle Highlights der Gegen- wart werden in unmittelbarer Nach- barschaft des Raffelbergparks geboten: In der überregional beliebten SOL Kulturbar gibt Livemusik den Ton an – in entspannter Atmosphäre unter eben- solchen Fans. Im Sommer auf der Biergarten-Terrasse. Programm & mehr unter www.solkulturbad.de Service

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