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weit über 2.000 Samen pro Dolde blei-

ben bis zu 80 Jahre keimfähig!

Schöne und Biest zugleich

Unser heimisches Springkraut – das

„Rührmichnichtan“ – ist vermutlich vie-

len von Ihnen vor allem aus der Kind-

heit bekannt. Schon bei der leisesten

Berührung springen die Kapselfrüchte

auf und schleudern die schwarzen Sa-

men in die Umgebung. (Übrigens: Zur

gleichen Gattung gehört auch das Flei-

ßige Lieschen.) Unser Springkraut wird

zwischen 20 cm und 40 cm hoch, hat

eher unscheinbare gelbgrüne Blüten –

und einen amerikanischen Vetter, mit

dem es die Vorliebe für feuchte, halb-

schattige Standorte teilt. Besagter Ver-

wandter wird bis zu 1,5 m hoch, und

tut sich durch wunderschöne blassrote

bis rote Blüten hervor. Weniger schön:

Wo er gedeiht, wächst kein heimisches

Kraut mehr.

Achtung: potenziell tödlich!

Vor unserem letzten Beispiel, einer in

Nordostafrika und dem Nahen Osten

beheimateten Zierpflanze, müssen wir

Sie ausdrücklich warnen. Die Rede ist

vom Wunderbaum, ein Wolfsmilch-

gewächs der Gattung Ricinus und Ur-

sprung des Rizinusöls. Was viele nicht

wissen: Das in den Samen enthaltene

Ricin gehört zu den giftigsten bekann-

ten Eiweißsubstanzen; bei Einnahme

können bereits 0,25 mg tödlich sein!

Daher ist diese Pflanze besonders für

Kinder und Hunde extrem gefährlich

und gehört ganz sicher nicht in einen

Mietergarten.

Fazit

Auch wenn wir die Anziehungskraft

des Exotischen nachvollziehen können:

Es gibt viele „eingeborene“ Pflanzen,

die mindestens genauso schön sind

und sich im Zusammenspiel mit allen

Teilen unserer heimischen Natur ent-

wickelt haben. Und in einem natürlich

gewachsenen Umfeld gibt es immer

mindestens einen Gegenspieler, der die

uneingeschränkte Verbreitung eines

„Familienmitglieds“ unterbindet. Ganz

zu schweigen davon, dass wir uns mit

den Tücken der „eigenen“ Flora einfach

besser auskennen.

Grüne Ecke

Buchsbaum ade!

Weniger exotisch und trotzdem ein Prob-

lem: der gewöhnliche Buchsbaum. Immer-

grün, schnittverträglich und in verschie-

denster Weise formbar, gehört er seit dem

Mittelalter fest ins Bild von Kloster- und

Bauerngärten oder Friedhöfen. Dennoch

müssen wir an dieser Stelle leider alle

Vorgartenliebhaber/-innen dazu aufrufen,

sich von ihren Buchsbäumen zu trennen.

Der Grund: ein Schädlingsbefall, der so

gut wie gar nicht zu bekämpfen ist.

Buchsbaumzünsler heißt der aus dem

asiatischen Raum eingeschleppte Klein-

schmetterling. Seine Raupen fressen die

Pflanze von innen nach außen auf; sind

die Blätter verzehrt, ist die Rinde an der

Reihe. Das verträgt der ansonsten als ro-

bust bekannte Buchsbaum nicht und stirbt

ab. Eine Bekämpfung des Schädlings ist

sehr schwierig, weil er in einem Jahr bis zu

drei Generationen hervorbringt. Bei Befall

können Sie die Pflanze daher eigentlich

nur noch entsorgen.

Die gute Nachricht: Es gibt eine Alter-

native! Der Ilex crenata ist dem Buchs-

baum zum Verwechseln ähnlich, ebenfalls

schnittverträglich und gut formbar.

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