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Homestory

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Julia Bergmann wohnte drei

Monate in Japan, zu Hause fühlt

sie sich aber am Muhrenkamp

Die Küche gab bei der Wohnungsbe-

sichtigung, damals im Jahr 2010, den

Ausschlag. Der Raum, der auch Platz für

einen großen Esstisch bietet, die alten,

gemütlichen Holzdielen und der runde

Durchgangsbogen ins nebengelegene

Wohnzimmer gefielen Julia Bergmann

so gut, dass sie diese Wohnung in für sie

bester Lage am Muhrenkamp sofort mie-

tete. Nun allerdings lebte die 25-Jährige

drei Monate weit weg von der Mülhei-

mer Innenstadt: Die Studentin verbrach-

te ein Auslandssemester im japanischen

Sendai – in einem Zimmer, das nur halb

so groß war wie ihre Küche.

Julia Bergmann hat bereits einen Bache-

lorabschluss in Bauingenieurwesen und

macht derzeit ihren Master in „Compu-

tational Mechanics“ an der Universität

Duisburg-Essen. Teil dieses internationa-

len Studiums, dessen Vorlesungen über-

wiegend in englischer Sprache gehalten

werden, ist ein Auslandsaufenthalt.

Julia Bergmann führte ihr Auslandsse-

mester – anders als die meisten ihrer

Kommilitonen – nach Japan. „Ich war

an einem Institut, das sich überwiegend

mit Katastrophensimulationen beschäf-

tigt“, berichtet die Studentin und meint

damit natürliche Katastrophen, etwa

von Erdbeben. Damit erweiterte sie die

Inhalte ihres Studiums, in dessen Mittel-

punkt das Erstellen computergestützter

Berechnungen steht, um komplizierte

Tragwerke und Bauteile ganzheitlich zu

beurteilen und eventuelle strukturelle

oder mechanische Probleme zu lösen.

Während ihrer Zeit in Sendai, das 350

km von Tokio entfernt liegt, lebte Julia

Bergmann in einem Wohnheim mit 35

anderen Studentinnen. Klein und sparta-

nisch war die Einrichtung – und ersteres

hat sie als typisch japanisch kennenge-

lernt. Kleine Wohnungen, enge Straßen

und moderne Architektur prägen dort

das Stadtbild, erzählt die 25-Jährige:

„Sendai hat kaum Altstadt, weil es im

Zweiten Weltkrieg fast komplett zer-

stört wurde.“ Viele Hochhäuser gäbe es

stattdessen. Ein besonders imposantes

steht in Tokio. Auf den 634 Meter hohen

Skytree wagte sich Julia Bergmann und

war vor allem von der Größe der Stadt

erschlagen: „Soweit man gucken konn-

te, waren nur Gebäude und dazwischen

ein paar Parks.“ Ach, und noch etwas