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Zwischenwelt

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Der Rheinländer würde sagen: „Nicht

Fisch, nicht Fleisch.“ Sie sind tatsäch-

lich eine Welt für sich – die Pilze. Das

zeigt sich etwa in ihrer vielfältigen

Wirkungsweise, die sowohl positiv wie

negativ sein kann. SWB-Gärtnermeister

Gerhard Bring gibt im Folgenden Ein-

blick in diese Lebensform, die eine

Klasse für sich ist.

Pilze sind keine Pflanzen, keine Tiere,

keine Viren und keine Bakterien – ob-

wohl letztere wohl am nächsten dran

sind. Doch Bakterien kommen ohne

Sauerstoff aus, Pilze nicht. Da sie Sau-

erstoff für den Lebensprozess verbrau-

chen, muss diese Lebensform entweder

später oder gleichzeitig mit Pflanzen

entstanden sein. Fossile Pilze wurden

in Schiefer und Bernstein gefunden;

ihr Alter wird auf um die 825 Millionen

Jahre geschätzt. Das älteste Fossil

(Versteinerung) einer Flechte – einer

Lebensform, die aus einer Symbiose aus

Algen und Pilzen besteht – wurde 2005

in China gefunden und auf das Alter von

600 Millionen Jahre datiert. Bakterien

sind wesentlich älter.

Doch ohne Pilze geht gar nichts. Es sind

richtige Tausendsassa: Sie können jedes

organische Gewebe zersetzen, lebend

oder tot. Durch Symbiose gehen sie

direkte Verbünde mit Pflanzen ein und

führen ihnen Nährstoffe zu. Schimmel-

arten wie Rußtau und Mehltau können

lebende Organismen töten oder zerstö-

ren, während sie in Form von Penicillin

in der Medizin eingesetzt werden.

Geschätzt gibt es zwischen 36 und 112

Millionen Pilzarten, bisher erfasst oder

beschrieben wurden 1,75 Millionen.

Einige sind mikroskopisch klein, andere

Quadratkilometer groß. Im US-Bundes-

staat Oregon wurde ein zusammen-

hängendes Pilzgeflecht (Hallimasch)

gefunden, welches sich über neun

Quadratkilometer erstreckt. Bei einem

geschätzten Alter von 2400 Jahren und

einem geschätzten Gesamtgewicht von

600 Tonnen gilt es als der bisher größte

lebende Organismus, der auf unserer

Erde gefunden wurde.

Wenn wir als Otto Normalverbraucher

von Pilzen reden, meinen wir meist die

Fruchtkörper, die von einem Pilzgeflecht

ausgebildet werden. Diese unterschei-

den wir pragmatisch in essbar, nicht

essbar, ungenießbar, giftig und tödlich-

giftig.

Oft werde ich beim Erscheinen von

Pilzfruchtkörpern gefragt, ob man

diese nicht entfernen muss. Es könnten

sich doch Kinder oder Haustiere daran

vergiften. Um es klar zu sagen: Bei uns

in Mitteleuropa gibt es fast keine Pilze,

die so giftig sind, dass man stirbt, wenn

man daran riecht, sie berührt oder nach

Kontakt mit ihnen den Finger in den

Mund nimmt. Dennoch sollte gelten: Hat

man einen unbekannten Pilz angefasst,

Hände nicht in den Mund stecken, son-

dern waschen. Wer einen „verfressenen

Hund“ hat, sollte ihn zur Vorsicht besser

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