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Wie wohnt es sich im Quartier... ehemalige Neue-Heimat-Siedlung?

Wohnungsbaugeschichte

mit besonderem Flair

Siedlung in der Innenstadt ist sehr beliebt

Sein Schulweg führt Louis jeden Tag an

diesen Häusern vorbei – und sie sind

ihm aufgefallen, trotz der Bruchstein-

mauern und Hecken, die die Fassaden

teils ein wenig hinter Grün verbergen.

Denn, sagt der Sechstklässler, „die

Drachen sind cool. Aber nicht jedes

Haus hat einen.“ Die Steinfiguren meint

er, die über einigen Eingängen thronen

und auf Mieter und Besucher hinunter-

gucken. Eine (für Kinder) augenfällige

Besonderheit eines Quartiers mitten

in der Innenstadt. Es ist nicht die

einzige, die das denkmalgeschützte

Häuserkarree mit den Fronten gen

Muhrenkamp, Kämpchen- und Adolf-

straße auszeichnet.

„Diese Siedlung bringt ein besonderes

Flair mit“, sagt Birgit Syring, die als

Vermieterin für diese Gebäude verant-

wortlich ist. „Es sind mit die gefrag-

testen Häuser in der Stadtmitte.“ Und

das, obwohl größere Zwei-Zimmer-

Wohnungen eigentlich eher schwierig

zu vermieten sind – und die machen

den Großteil der insgesamt 158 Woh-

nungen aus. Den Grundriss führt Birgit

Syring als möglichen Grund für die

Nachfrage auf und die großen Wohn-

küchen, die viel Raum zur Gestaltung

lassen. 31 Apartments gibt es zudem

in den 18 Häusern in SWB-Besitz, 14

Drei-Zimmer- und 6 Vier-Zimmer-

Wohnungen. Die Häuser umschließen

einen Innenhof, der nicht nur Garagen,

sondern vor allem Aufenthaltsqualität

bietet. „Der großzügige Innenhof lädt

zum Erholen ein“, sagt Dennis Böttcher,

der die Abteilung Vermietung leitet,

und meint damit die Rasenflächen, das

Grün und die Spielgeräte für junge

Mieter und ihre Freunde.

Dort lässt sich tatsächlich entspannt

Zeit verbringen. Denn trotz der Nähe

zur Mülheimer Innenstadt liegt an die-

sem sonnigen Mittag eine gewisse Ruhe

über den umliegenden Straßen. „Dabei

fährt die Straßenbahn gleich da vorne“,

sagt eine Passantin, die sich beeilen

muss, um eben die noch zu erwischen.

Aber auch sie lassen diese Gebäude

nicht kalt: „So alte Häuser haben schon

einen speziellen Charme. Hier in den

Straßen gibt’s ja viele Häuser, die unter

Denkmalschutz stehen – aus ganz ver-

schiedenen Jahrzehnten.“

Die ersten Gebäude der SWB-Siedlung

wurden im Jahr 1922 gebaut – und sind

ein Stück Gesellschafts-, aber auch

Wohnungsbaugeschichte. Die ehema-

lige Wohnungsbaugesellschaft „Neue

Heimat“ errichtete sie mit dem Ziel,

schnell Wohnraum in der aufstreben-

den Bergarbeiterstadt Mülheim an der

Ruhr zu schaffen. Nach dem Zweiten

Weltkrieg übernahm der Deutsche

Gewerkschaftsbund das Wohnungs-

unternehmen, dessen unrühmliches

Ende im Jahr 1982 eingeleitet wurde.

Zu diesem Zeitpunkt war die Gesell-

schaft deutschlandweit Eigentümerin

von 320.000 Wohnungen – und hat-

te fast 770 Mio. DM Schulden. Nach

einigen gescheiterten Sanierungsver-

suchen entschied man sich letztlich,

das Unternehmen zu zerschlagen.

„Die SWB war unter dem damaligen

Geschäftsführer, Horst van Emmerich,

schnell entschlossen, das Angebot, die

158 Wohnungen zu erwerben, anzuneh-

men“, sagt Andreas Timmerkamp, der

damals in die vertragliche Ausgestaltung

eingebunden war. Einmalig blieben sie

bis heute und aus diesem Grund sehr

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