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richtung standen. Diese waren aber be-

reits „informiert“ und hatten begonnen,

vermehrt Gerbsäure zu produzieren.

Giraffe tot – Akazie lebt. Die Forschung

der chemischen Pflanzenstoffe – also

Hormone und Botenstoffe – nahm damit

ihren Anfang.

Eine Pflanze wächst immer zum Licht

– auch dafür sind Hormone verantwort-

lich: Das Hormon, das die Zellstreckung

steuert, ist lichtempfindlich; es wird

durch UV Einstrahlung der Sonne zer-

stört. Die sonnenabgewandten Zellen

werden länger, die der Sonne zuge-

wandten nicht. Das bedingt automa-

tisch eine Krümmung. Wie schnell das

gehen kann, zeigt die Sonnenblume.

Die verdankt ihren Namen nicht nur der

sonnenähnlichen Blüte, sondern auch

dem Umstand, dass sie in der Lage ist,

dem Sonnenlauf den ganzen Tag über zu

folgen. Das kann man mit einem schö-

nen Experiment zu Hause selbst testen:

Einfach einen Sonnenblumenkern in

einen Blumentopf ca. 1,5 cm tief

einpflanzen. Nach 14 Tagen erscheinen

die Keimblätter und die Pflanze beginnt

rasant zu wachsen. Beim Einsetzen der

Morgendämmerung zeigt die Blattkrone

nach Osten und folgt dann dem Sonnen-

lauf bis sie abends nach Westen zeigt.

Die Hauptwurzel einer Pflanze zeigt

immer nach unten. Der Grund dafür

sind kleine organische Körnchen in der

Wurzelspitze, ähnlich den Körnchen

im menschlichen Mittelohr. Bei uns

sind diese Körnchen für das Gleichge-

wicht verantwortlich, besser gesagt:

Die Bewegung der Körnchen wird über

Sinneszellen (Reiz) wahrgenommen. Bei

der Pflanze sind diese Körnchen schwe-

rer als der Zellsaft der Wurzel und üben

an der tiefsten Stelle der Wurzelspitze

einen Wachstumsreiz aus.

Knospenbildung und Laubabwurf sind

– wie in unserer Zeitschrift 12/2012

erwähnt – auch hormonell gesteuert.

Gleiches gilt für Blüten und Samenbil-

dung. Wurde eine Blüte bestäubt, er-

geht an die Pflanze ein Botenstoff, der

eine Veränderung in der chemischen

Zusammensetzung der benötigten Nähr-

stoffe bewirkt. Gleichzeitig unterdrückt

dieser Botenstoff die Bildung weiterer

Blüten. Das ist auch der Grund, warum

man im Sommer die abgeblühten Teile

an einer Rose ausschneidet. Dadurch

verlängert man den Blühzeitraum.

Fehlt Pflanzen in der Vermehrungs-

phase (Samenbildung) dieser Boten-

stoff, bilden sie neue Blüten aus. Das

funktioniert auch beim Sommerflieder

(Schmetterlingsstrauch). Dessen Blüte

kann sogar bis in den Herbst verlängert

werden.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

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