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Das sind die Hormone

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Kommt es bei Menschen zu Reaktionen,

die wir nicht nachvollziehen können,

schieben wir es schlicht auf die Körper-

chemie. „Das sind die Hormone“, heißt

es dann. Wie viel hinter diesem einfa-

chen Satz steckt, zeigen die Forschungen

von Molekularbiologen. Diese belegen

etwa die Wirkung von Hormonen auf

Wachstum, Alterungs- und Bewegungs-

mechanismen sowie auf Reaktionen

in den Zellen. Die Grundlagen dieser

Forschung und wie diese wissenschaftli-

chen Erkenntnisse in der Praxis genutzt

werden können, erläutert SWB-Gärtner-

meister Gerhard Bring.

Die Molekularbiologie ist eine relativ

junge Wissenschaft, die sich trotz aller

gewonnenen Erkenntnisse noch in der

Entwicklung befindet. Inzwischen weiß

man, dass alle Lebensvorgänge von

Hormonen gesteuert werden. Zunächst

wurde das bei Mensch und Tier unter-

sucht – inzwischen sind auch Pflanzen

Forschungsgegenstände.

Die einzelnen Hormone zu benennen,

welche für die jeweiligen Lebensvor-

gänge bei der Pflanze verantwortlich

sind, würde – so nehme ich an – die

Leser eher langweilen. Daher möchte

ich Ihnen die Geschichte erzählen, wie

es zu den Erkenntnissen kam, auf denen

die Forschung aufbaute: Als die Men-

schen begannen, gefährdete Tierarten

zu schützen (Prof. Dr. Grzimek, „Die

Serengeti darf nicht sterben“), richte-

ten sie auch Naturschutzparks ein und

evakuierten diverse Tierarten dorthin.

So auch in Afrika, in diesem Fall Giraf-

fen. Während die in der Wildnis ver-

bliebenen Giraffen trotz Wilderei als

Population überlebten, verstarben die

in das Reservat verbrachten Tiere -

eines nach dem anderen.

Der Grund dafür war ein Rätsel: Umfeld

und Futterpflanzen (Akazien) waren

gleich und an den toten Giraffen konn-

ten keine Parasiten oder Krankheits-

erreger gefunden werden. Letztlich

brachte eine chemische Analyse die

Antwort: Die Tiere starben an einer

Vergiftung aufgrund einer Überdosis an

Gerbsäure. Doch auch das warf Fragen

auf: Eigentlich sollte die Gerbsäure in

Akazien-Blättern nicht ausreichen, um

Giraffen zu vergiften. Man wusste aller-

dings schon, dass durch Insektenfraß

geschädigte Pflanzen vermehrt Gerb-

und Blausäure zur Abwehr produzieren.

Unbekannt war damals jedoch noch,

dass Pflanzen sich chemisch verständi-

gen können.

Das funktioniert über einen Botenstoff,

das Gas Acethylen. Pflanzen, die Verlet-

zungen an den Blättern erfahren, pro-

duzieren Acethylen und greifen durch

die anderen Gifte zum Selbstschutz.

Eine benachbarte Pflanze kann dieses

Acethylen durch Poren aufnehmen und

beginnt ebenfalls mit der chemischen

Abwehrkeule.

Das war des Rätsels Lösung: Während

die Giraffen in der freien Wildbahn im-

mer gegen den Wind äsen (die Akazien

wussten also nichts von der Schädigung

des Nachbarn), mussten die Giraffen im

Reservat wegen des begrenzten Umfelds

auch Akazien beweiden, die in Wind-