Gemeinsam für das Ruhrgebiet

Die kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen aus Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Herne und Mülheim haben eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Wie die Eigentümer von mehr als 78.000 Wohnungen im Ruhrgebiet am Montag auf dem Immobilientreffen „Pro Ruhrgebiet“ der Öffentlichkeit mitteilten, möchten sie bei der Entwicklung des Ruhrgebietes zu einer Metropolregion mit vitalen und attraktiven Städten, einer hohen Wohn- bzw. Lebensqualität und neuen wirtschaftlichen Perspektiven aktiv dabei sein. Ziel von Allbau (Essen), DOGEWO21 (Dortmund), Gebag (Duisburg), GGW (Gelsenkirchen), HGW (Herne), SWB (Mülheim a. d. Ruhr) und VBW Bauen und Wohnen (Bochum) ist es, sich enger auszutauschen, gegenseitig voneinander zu profitieren und kooperativ zu handeln - und das zum Wohle des Ruhrgebietes. Für sie sind im Zeitalter leerer Kassen kooperative Konzepte ein wichtiges Instrumentarium für die Region, was sich auch bei der erfolgreichen gemeinsamen Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 gezeigt hat.
Masterplan Ruhr nachhaltig mit Leben füllen
Die an der nun vorgestellten Kooperation beteiligten Wohnungsunternehmen sehen die eigenen und gemeinsamen Anstrengungen zur nachhaltigen Entwicklung ihrer Wohnquartiere durch den Masterplan Ruhr, den die acht größten Städte des Ruhrgebietes in 2006 zu den drei Themen „Wohnen in der Städteregion Ruhr“, „Städtebauliche Projekte von besonderer Bedeutung“ sowie „Region am Wasser“ präsentierten, bestätigt. Sie werden ihre Ideen und ihre Investitionskraft in Zukunft stärker zusammenführen und sich somit in den Entwicklungsprozess der Region einbringen, um den Masterplan Ruhr mit umfangreichen, konkreten Projekten einen Schub zu verleihen. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht dabei eine wohnungswirtschaftliche Nachhaltigkeit im Rahmen der Quartiers- und Stadtentwicklung, aber vor allem auch über die jeweiligen Stadtgrenzen hinaus – ganz nach dem Motto: „Das Ruhrgebiet braucht eine Partnerschaft der Nachhaltigkeit im Umgang mit Wohnen und Stadtentwicklung“.
Wie soll das genau aussehen? Die kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen im Ruhrgebiet forcieren den Informationsaustausch untereinander und bringen die Erfahrungen sowie Wettbewerbsvorteile jedes einzelnen Unternehmens in die Kooperation mit ein. Die bereits gesammelten Erfahrungen sollen allen Unternehmen zugänglich gemacht, Best-Practice-Beispiele gesammelt und auf Veranstaltungen, im Internet oder in Form von Broschüren kommuniziert werden. Junge Familien und einkommensstärkere Haushalte werden durch solche Projekte an das Ruhrgebiet genauso nachhaltig gebunden wie durch neue, zielgruppenorientierte Wohnungsangebote (z. B. innovative Wohngruppen und Wohnformen für Senioren, generationsübergreifendes Wohnen, Wohnen mit ökologischen Zielsetzungen) oder durch neue innovative Standorte wie z.B. Wohnen am Wasser, auf ehemaligen Konversionsflächen oder in der Innenstadt. Auch der Wissenstransfer aus dem Hochschulbereich in konkrete Anwendungsprojekte sowohl der Bautechnik wie auch neuer Produkte für sich wandelnde Kundenbedürfnisse auf dem Wohnungsmarkt ist Baustein des kooperativen Handelns.
Partner für jedermann
Die kooperierenden kommunal (nahen) Wohnungsgesellschaften wiesen darauf hin, dass sie über ihre Kommune und über die Absicherung des kommunalen Wohnungsversorgungsauftrages hinaus eine Vielzahl von sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben leisten, die von privaten - wenn überhaupt - so nur selten erbracht werden. Dazu gehören beispielsweise Konzepte, die täglich den sozialen Frieden in Wohnstandorten und -quartieren sichern. So gibt es in vielen Kommunen des Ruhrgebietes private Haushalte, die sich aus eigener Kraft nicht angemessen mit Wohnungen versorgen können. Deshalb wächst auch im Ruhrgebiet die Nachfrage nach preiswerten Wohnungen. Allerdings verliert die öffentliche Hand schon heute rapide den Zugriff auf preiswerten Wohnraum, da Belegungsrechte und Bindung der Miethöhe auslaufen. Rasant beschleunigt wird aktuell diese Entwicklung durch eine regelrechte Privatisierungswelle, ausgelöst durch die finanziellen Nöte der Kommunen, von Land und Bund.
„Diese kurzsichtigen fiskalischen Befreiungsschläge sind jedoch selten zur wirtschaftlichen Neuausrichtung durch konsequente Entschuldung genutzt worden. Vielmehr sind sie in diversen Themen der Kommunalpolitik versickert. Einer stetig wachsenden Zahl von einkommensschwachen Menschen wird somit eine drastisch sinkende Zahl an preiswerten Wohnungen gegenüberstehen,“ erläuterten die kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen. Sie sind sich sicher, dass ihre Bedeutung für die Städte gerade auf diesem Gebiet in Zukunft weiter wachsen wird. Schon jetzt sind sie maßgeblich daran beteiligt, die Wohnungsversorgung benachteiligter Nachfragegruppen wie beispielsweise von Arbeitslosengeld II-Empfängern- und -Empfängerinnen zu sichern. Dazu wird eine besonders enge Abstimmung mit den Städten benötigt, aber auch um andere Projekte in die kommunalen und regionalen Entwicklungslinien einzufügen und ihre Vernetzung sicher zu stellen. Auch die gemeinsame Realisierung von PPP-Projekten sollte nach Auffassung der kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen immer ein Thema zwischen ihnen und den Städten sein.
Das ist aber nicht alles: die kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen möchten vor allem bürgerschaftliche Verantwortungsbereitschaft und unternehmerisches Interesse in Handlungsstrategien zusammenführen und somit enger werdende finanzielle Handlungsspielräume bei Staat und Kommunen für das Ruhrgebiet überbrücken. Dies soll vor allem mit Partnern aus dem Ruhrgebiet erreicht werden, die auch langfristige Ziele für das Ruhrgebiet verfolgen.
Wirtschaftsförderer des Ruhrgebietes
Bei der Partnersuche liegen auch die besonderen Stärken der kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen im Ruhrgebiet. Durch ihren historischen Hintergrund haben sie sich zu urbanen Vernetzern entwickelt. Sie sind nicht nur in viele Prozesse der Stadtentwicklung eingebunden, sondern können auch als starke Partner darauf drängen, dass wichtige und städteübergreifende Entwicklungsprozesse angepackt, auf diese Art Innovationen vorangetrieben und die lokale Ökonomie gestärkt werden. Sie kennen ferner die wichtigen Personen und Institutionen vor Ort und im Ruhrgebiet, um Kooperationsprojekte konstruktiv anzupacken und erfolgreich umzusetzen. Dazu nutzen die kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen die Abstimmungsmöglichkeiten mit den Städten, um ihre Projekte in die kommunalen und regionalen Entwicklungslinien einzufügen und ihre Vernetzung sicherzustellen.
Die kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen im Ruhrgebiet stützen mit Investitionen von über 150 Mio. Euro im Jahr entscheidend das örtliche Handwerk und das regionale Baugewerbe und bieten zudem zukunftsfähige Ausbildungsplätze – und, was besonders wichtig für das Ruhrgebiet ist: Wenn die Bauwirtschaft aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtlage zurückgeht, engagieren sich die kommunal (nahen) Wohnungsunternehmen mit ihrem stetigen Handeln als Auftraggeber der lokalen und regionalen Wirtschaft antizyklisch und sorgen damit unter anderem für eine Stabilisierung der regionalen Bauwirtschaft.
Die von den kommunalen Wohnungsunternehmen vereinbarte Kooperationsvereinbarung können Sie hier nachlesen oder downloaden.

